
Lohnt sich eine Photovoltaik-Anlage 2026?
Die kurze Antwort: in den meisten Fällen ja. Die lange Antwort hängt von Dach, Verbrauch, Strompreis und Förderung ab, und die rechnen wir hier konkret durch.
Für ein Einfamilienhaus mit 4.000 kWh Jahresverbrauch und Süddach amortisiert sich eine 8-kWp-Anlage in 10-13 Jahren. Mit Speicher etwas länger, mit E-Auto oder Wärmepumpe deutlich schneller (7-9 Jahre). Das Modul macht dabei nur ein Drittel der Kosten aus, der Rest sind Wechselrichter, Montage, Anmeldung.
Was bedeutet „lohnt sich" überhaupt?
Drei verschiedene Fragen werden oft in einen Topf geworfen: Amortisationszeit (wann hat die Anlage sich zurückgezahlt?), Rendite (wie viel Prozent pro Jahr bringt sie verglichen mit anderen Anlageformen?) und ökologischer Beitrag (wie viel CO₂ vermeide ich?). Wir konzentrieren uns hier auf die finanziellen Kennzahlen, die ökologische Komponente ist bei aktueller Modul-Energiebilanz nach rund zwei Jahren positiv.
Amortisationszeit: wann ist das Geld zurück?
Die Amortisationszeit zählt, wie viele Jahre es dauert, bis die Summe aller Ersparnisse und Einspeise-Erlöse die Investition erreicht hat. Beispiel: 14.500 Euro Investition, rund 1.300 Euro Ertrag im ersten Jahr, leicht steigend mit dem Strompreis. Nach etwa elf bis zwölf Jahren ist die Anlage bezahlt, danach ist jeder weitere Ertrag Gewinn. Die Kennzahl ist intuitiv, hat aber einen blinden Fleck: Sie sagt nichts darüber, was in den 13 bis 18 Jahren danach noch passiert.
Rendite: wie gut ist das verglichen mit anderem?
Die Rendite (interner Zinsfuß) rechnet die gesamte Laufzeit in einen jährlichen Prozentsatz um und macht die Anlage damit vergleichbar mit einem ETF-Sparplan oder Festgeld. Für unser Beispiel liegt sie bei rund 6 Prozent pro Jahr über 25 Jahre. Zum Einordnen: Ein breit gestreuter Aktien-Index hat historisch 6 bis 8 Prozent gebracht, allerdings mit deutlich größeren Ausschlägen. Die PV-Rendite schwankt fast nur mit dem Strompreis, und der ist eher nach oben als nach unten offen.
Ökologischer Beitrag: ab wann ist die Anlage im Plus?
Die energetische Amortisation beschreibt, wann eine Anlage die Energie wieder erzeugt hat, die ihre Herstellung gekostet hat. Bei heutigen Modulen liegt sie in Mitteleuropa bei etwa zwei Jahren. Über 25 Jahre Laufzeit erzeugt eine 8-kWp-Anlage damit rund das Zehnfache der eingesetzten Energie. Wer nach vermiedenem CO2 fragt: Bei rund 8.000 kWh Jahresertrag und dem deutschen Strommix vermeidet die Anlage grob 2,5 bis 3 Tonnen CO2 pro Jahr.
Für die Kaufentscheidung sind Amortisation und Rendite die relevanten Zahlen. Wer beide kennt, kann ein Angebot einordnen, ohne auf Verkaufsargumente angewiesen zu sein.
Die fünf wichtigsten Wirtschaftlichkeits-Faktoren
1. Eigenverbrauchsanteil
Selbst genutzter Strom ersetzt teuren Netzstrom (~36 ct/kWh). Eingespeister Strom bringt nur die Einspeisevergütung (~7,7 ct/kWh). Der Eigenverbrauchsanteil ist also der wichtigste Hebel, und liegt ohne Speicher meist bei 25-35 %, mit Speicher bei 60-80 %.
2. Anlagengröße
Faustregel: 1 kWp pro 1.000 kWh Jahresverbrauch, plus Reserve für E-Auto/Wärmepumpe. Größere Anlagen haben einen niedrigeren Preis pro kWp, aber auch einen geringeren Eigenverbrauchs-Anteil.
3. Strompreis-Annahme
Die Wirtschaftlichkeitsrechnung hängt sensitiv vom künftigen Strompreis ab. Wir rechnen konservativ mit 2 % jährlicher Steigerung, die letzten 20 Jahre lagen real bei 4-5 % p. a.
4. Standort und Ausrichtung
Zwischen Flensburg und Freiburg liegen rund 20 Prozent Unterschied im Jahresertrag pro kWp, das ist die Spanne von etwa 900 bis 1.150 kWh je installiertem kWp. Die Dachausrichtung wiegt ähnlich schwer: Süd ist die Referenz mit 100 Prozent, Ost-West-Ausrichtung liefert rund 85 Prozent, reine Nordausrichtung fällt auf 60 bis 70 Prozent und rechnet sich in der Regel nicht. Wichtig ist der Blick auf Verschattung, denn ein einzelner Schornstein oder Baum kann bei ungünstiger Verschaltung überproportional viel Ertrag kosten. Details in unserem Ratgeber zu Dachneigung und Ausrichtung.
5. Förderung und Steuer
Der größte Hebel ist keine klassische Förderung, sondern die Mehrwertsteuerbefreiung: Auf Anlagen bis 30 kWp an Wohngebäuden fällt seit 2023 keine Umsatzsteuer an, das sind effektiv 19 Prozent weniger Anschaffungspreis, ohne Antrag. Dazu kommt die Einkommensteuer-Befreiung für Anlagen bis 30 kWp, die Einspeise-Erlöse steuerfrei stellt. Wer finanziert, nutzt den KfW-270-Kredit. Landes- und Kommunalprogramme kommen punktuell dazu, ändern sich aber quartalsweise. Details im Förder-Ratgeber.
Beispielrechnung: Einfamilienhaus, 8 kWp, Süddach
Annahmen: 4.200 kWh Jahresverbrauch, 30 % Eigenverbrauch ohne Speicher, Strompreis 36 ct/kWh, Einspeisevergütung 7,70 ct/kWh (Stand 1. August 2026), 2 % Strompreis-Steigerung.
| Posten | Wert |
|---|---|
| Investition (schlüsselfertig) | 14.500 € |
| Jahresertrag | ~ 8.000 kWh |
| Ersparnis Eigenverbrauch (Jahr 1) | ~ 870 € |
| Einspeise-Erlös (Jahr 1) | ~ 430 € |
| Amortisationszeit | 11-12 Jahre |
| Rendite über 25 Jahre | ~ 6 % p. a. |
Wie stark hängt das an den Annahmen?
Die beiden Stellschrauben mit dem größten Einfluss sind Eigenverbrauchs-Anteil und Strompreis-Entwicklung. Die Tabelle zeigt, wie sich die Amortisationszeit derselben 8-kWp-Anlage für 14.500 Euro verschiebt:
| Eigenverbrauch | 0 % Strompreis-Steigerung | 2 % (unsere Annahme) | 4 % |
|---|---|---|---|
| 25 % (kleiner Haushalt) | ~ 15 Jahre | ~ 13 Jahre | ~ 12 Jahre |
| 30 % (Basis-Fall) | ~ 13 Jahre | ~ 11 Jahre | ~ 10 Jahre |
| 50 % (Wärmepumpe oder E-Auto) | ~ 10 Jahre | ~ 9 Jahre | ~ 8 Jahre |
| 70 % (Speicher plus Wärmepumpe) | ~ 8 Jahre | ~ 7 Jahre | ~ 7 Jahre |
Ohne Speicher-Investition gerechnet, die 70-Prozent-Zeile unterstellt einen bereits vorhandenen oder mitfinanzierten Speicher. Wechselrichter-Tausch im Jahr 13 mit 2.000 Euro berücksichtigt.
Was daran auffällt: Der Eigenverbrauch bewegt die Amortisation um bis zu sieben Jahre, die Strompreis-Annahme nur um zwei bis drei. Wer die Wirtschaftlichkeit verbessern will, sollte also an der Nutzung ansetzen, nicht an optimistischeren Preis-Prognosen. Konkrete Maßnahmen dazu im Eigenverbrauchs-Ratgeber.
Wann lohnt es sich nicht?
- Dach mit weniger als 25° oder mehr als 60° Neigung und ohne Süd-/Ost-/Westausrichtung
- Verschattung durch Bäume, Nachbargebäude oder eigenes Dach
- Geplanter Verkauf des Hauses innerhalb der nächsten 5 Jahre
- Stromverbrauch unter 2.000 kWh/Jahr ohne Aussicht auf Wärmepumpe oder E-Auto
Der schnellste Weg zur eigenen Zahl
Die Rechnung oben ist ein typischer Fall, nicht deiner. Wer wissen will, wie die Zahlen für das eigene Dach und den eigenen Verbrauch aussehen, kommt in zwei Minuten weiter:
- PV-Rechner: Anlagengröße, Investition, Jahresertrag und Amortisationszeit aus Verbrauch und Dachfläche, mit offengelegten Annahmen.
- Planung und Dimensionierung: in fünf Schritten von der Dachfläche zur passenden kWp-Zahl.
- Anbieter-Vergleich: wie sich Angebote Posten für Posten prüfen lassen, bevor unterschrieben wird.
Was passiert nach 20 Jahren?
Nach Auslaufen der EEG-Vergütung passiert technisch erst einmal gar nichts. Module verlieren pro Jahr rund 0,4 bis 0,5 Prozent Leistung, nach 20 Jahren liegen sie also noch bei etwa 90 Prozent der Nennleistung. Typische Leistungsgarantien laufen 25 bis 30 Jahre, viele Anlagen aus den frühen 2000ern laufen heute noch. Der Wechselrichter ist das schwächere Glied und wurde bis dahin meist schon einmal getauscht.
Wirtschaftlich ändert sich dagegen viel, weil die garantierte Vergütung wegfällt. Drei Wege stehen offen:
- Eigenverbrauch maximieren: der mit Abstand wirtschaftlichste Weg. Ein Speicher, der bei Neuanlagen grenzwertig rechnet, wird nach 20 Jahren attraktiv, weil er nicht mehr gegen eine Einspeisevergütung konkurriert, sondern gegen null.
- Direktvermarktung: ein Dienstleister verkauft den Strom an der Börse, aktuell bringt das etwa 6 bis 8 ct/kWh abzüglich Gebühren. Kein Garantiepreis, aber technisch unaufwändig.
- Repowering: alte Module gegen neue tauschen. Auf derselben Fläche liefern heutige Module 30 bis 50 Prozent mehr Leistung. Rechnet sich vor allem bei knapper Dachfläche und hohem Eigenverbrauch, nicht bei intakten Modulen mit ausreichend Platz.
Wichtig für die Kaufentscheidung heute: Die Jahre 21 bis 30 sind in keiner Amortisationsrechnung enthalten, sie sind der Bonus obendrauf. Wer nur auf die Amortisationszeit schaut, unterschätzt die Anlage systematisch.
Häufige Fragen
Lohnt sich Photovoltaik bei niedrigem Stromverbrauch?
Bei unter 2.000 kWh Jahresverbrauch verschiebt sich die Wirtschaftlichkeit deutlich Richtung Einspeisung, und damit zur Amortisationszeit jenseits der 15 Jahre. In dem Fall lohnt sich oft eher ein Balkonkraftwerk als eine Voll-Anlage.
Wie verändert ein E-Auto die Rechnung?
Ein E-Auto erhöht den Eigenverbrauchs-Anteil massiv (typisch +1.500-3.000 kWh/Jahr ladbar tagsüber). Damit sinkt die Amortisationszeit oft um 2-3 Jahre.
Was ist mit Wärmepumpe?
Eine Wärmepumpe verbraucht 3.000-6.000 kWh/Jahr und harmoniert nur eingeschränkt mit PV (Heizleistung im Winter ≠ PV-Ertrag im Winter). Mit Speicher und intelligenter Steuerung kann der PV-Anteil aber 25-35 % der Heiz-Stromkosten decken.
Was passiert nach 20 Jahren Einspeisevergütung?
Die EEG-Förderung läuft 20 Jahre ab Inbetriebnahme. Danach kannst du Strom weiter ins Netz einspeisen (zum aktuellen Marktwert, ~6-8 ct/kWh) oder den Eigenverbrauch maximieren. Die Anlage selbst läuft typischerweise 25-30 Jahre.
Sind Mieteinnahmen aus PV steuerpflichtig?
Anlagen bis 30 kWp sind seit 2023 von der Einkommensteuer befreit, der Modulkauf ist umsatzsteuerfrei (0 %). Damit ist die steuerliche Behandlung für die meisten EFH-Anlagen kein Hinderungsgrund mehr.