
PV im Altbau: was du vor der Anlage prüfen musst
Auf Bestandsdächern vor 1990 liegen zwei Stolpersteine: Statik und Elektrik. Wer beides ohne Prüfung übergeht, riskiert Schäden am Dach oder an der Hauselektrik. Wir zeigen, was geprüft gehört, wann Sanierung und PV in einem Schritt sinnvoll sind und welche Kosten realistisch hinzukommen.
Im Altbau sind drei Posten die typischen Mehrkosten gegenüber Neubau: Statik-Prüfung (200 bis 500 Euro), Sicherungs- und Zähler-Erweiterung (300 bis 1.500 Euro) und gegebenenfalls eine Hausanschluss-Verstärkung (0 bis 3.000 Euro). Wer in den nächsten zehn Jahren das Dach neu decken will, sollte PV und Sanierung in einem Schritt erledigen oder Indach-Module wählen. Denkmalschutz ist seit 2023 grundsätzlich PV-freundlich, braucht aber eine Vorabstimmung.
Statik: was wirklich geprüft werden muss
Eine moderne PV-Anlage bringt rund 20 bis 30 kg pro m² aufs Dach (Module plus Unterkonstruktion plus Schneelast-Reserve). Auf gesunden Sparrendächern der letzten 60 Jahre ist das im Normalfall unproblematisch. Kritisch wird es bei:
- Dächer vor 1960 mit unbekannten Sparrenquerschnitten
- Sichtbare Holzschäden, Schädlingsbefall oder feuchte Dachstühle
- Knappe Sparrenstärken (unter 16 cm Höhe bei großen Spannweiten)
- Bereits vorhandene Auflasten wie Gauben, Dachfenster, Aufstockungen
- Schneelastzonen 2 und 3 (Mittel- und Süddeutschland, Höhenlagen)
Eine kurze Statik-Prüfung durch einen Bauingenieur kostet 200 bis 500 Euro und sichert die Anlage gegen Spätfolgen ab. Manche Fachbetriebe haben einen Statik-Kontakt im Hintergrund und bieten das im Auftrag mit an.
Hausanschluss und Verteiler
Häuser vor 1980 haben oft einen kleinen Hausanschluss (3 mal 25 A oder weniger). Für eine reine PV-Anlage reicht das meist, weil der Strom in den meisten Stunden nach unten zum Verbraucher fließt. Eng wird es bei Wallbox und Wärmepumpe, wo gleichzeitig hohe Lasten anliegen können.
| Hausanschluss | PV bis 8 kWp | + Wallbox 11 kW | + Wärmepumpe 6 kW |
|---|---|---|---|
| 3 mal 25 A | möglich | knapp, Lastmanagement nötig | nicht sinnvoll |
| 3 mal 35 A | locker | möglich | knapp, Lastmanagement |
| 3 mal 50 A | locker | locker | möglich |
| 3 mal 63 A | locker | locker | locker |
Eine Erhöhung des Hausanschlusses beantragst du beim Netzbetreiber. Bei kurzen Wegen vom Verteiler zum Trafo sind die Kosten gering, bei langen Strecken oder Tiefbauarbeiten kann es deutlich teurer werden.
Auch der Sicherungs-Verteiler ist oft zu klein. Module-Sicherungen, FI-Schutzschalter und der DC-Trenner brauchen Platz. Eine Erweiterung kostet 300 bis 1.000 Euro, ein kompletter neuer Zählerschrank 1.500 bis 3.000 Euro.
Sanierung und PV: Reihenfolge entscheidet
Wer ein Bestandsdach in den nächsten 5 bis 10 Jahren neu eindecken will, sollte beides zusammen denken. Sonst muss die PV-Anlage für die Sanierung herunter und mit eigenem Aufwand wieder hoch.
Variante A: Erst Sanierung, dann PV
Klassischer Weg. Das Dach wird neu gedeckt, die PV-Anlage kommt danach auf die frische Dachhaut. Vorteil: keine Eingriffe in eine bestehende Anlage. Nachteil: zwei separate Bauphasen, zwei Gerüste, etwas teurer in Summe.
Variante B: PV als Indach-Lösung gleich bei der Sanierung
Indach-Module ersetzen die Dachpfannen direkt. Kein klassisches Aufdach-System mit Schienen, sondern eine geschlossene Modul-Fläche, die den Wetterschutz übernimmt. Vorteil: zukunftssicheres Dach, optisch ruhig, keine Doppelinvestition. Nachteil: 15 bis 30 Prozent teurer pro kWp, weniger Module-Auswahl, schwierigere Reparatur bei Modulschaden.
Variante C: PV jetzt, Sanierung später
Lohnt sich nur, wenn die Sanierung erst in 15+ Jahren ansteht. Sonst kommt die PV-Anlage mit Demontage-Kosten von 1.500 bis 3.000 Euro plus Wiedermontage doppelt teuer.
Denkmalschutz seit 2023
Mit dem Solarbeschleunigungsgesetz und dem Solarpaket I ist PV auf denkmalgeschützten Häusern grundsätzlich erlaubt. Der Denkmalschutz darf die Genehmigung nur verweigern, wenn „überwiegende öffentliche Belange" entgegenstehen, was praktisch eine sehr hohe Hürde ist.
In der Praxis verlangt die untere Denkmalschutzbehörde meist eine bestimmte Optik:
- Vollflächige Belegung einer Dachseite, keine angerissenen Modul-Reihen
- Matte Module, oft schwarz auf schwarz
- Süd- oder hofseitige Anbringung, nicht zur Straße
- Indach-Module bei besonders sensiblen Objekten
Vorabstimmung mit der Behörde ist Pflicht, sonst riskierst du einen Rückbau auf eigene Kosten. Mit positivem Vorbescheid in der Hand wird der Genehmigungs-Antrag meist innerhalb von vier bis acht Wochen erledigt.
Warmwasser, Wärmepumpe und der größere Plan
In vielen Altbauten ist die Heizung der größere Hebel als der Strompreis. Eine PV-Anlage allein deckt nur den Stromverbrauch. Wer in den nächsten zehn Jahren ohnehin von Öl- oder Gas-Heizung auf Wärmepumpe umsteigt, sollte die PV-Größe von Anfang an darauf auslegen.
Faustregel: für eine Wärmepumpe mit 4.000 bis 6.000 kWh Stromverbrauch braucht es 2 zusätzliche kWp PV plus einen Speicher von 5 bis 8 kWh. Detail im Planungs-Ratgeber.
Realistische Mehrkosten gegenüber Neubau
| Posten | Typische Spanne | Wann fällt er an? |
|---|---|---|
| Statik-Prüfung | 200-500 € | Empfohlen ab Dächern vor 1990 |
| Sicherungs-Erweiterung | 300-1.000 € | Wenn der Verteiler keinen Platz mehr hat |
| Neuer Zählerschrank | 1.500-3.000 € | Bei sehr alten Anlagen, oft Pflicht durch VDE-Anforderungen |
| Hausanschluss-Verstärkung | 0-3.000 € | Bei knappem Anschluss + geplanter Wallbox/WP |
| Dachsanierung mit PV | 40-90 €/m² Dachhaut | Wenn das Dach in den nächsten 10 Jahren ohnehin neu muss |
| Indach-Lösung statt Aufdach | + 15-30 % auf den PV-Anteil | Bei Sanierung im gleichen Zug oder Denkmalschutz |
Wie geht es weiter?
- Welche Anlagengröße passt? Planung & Dimensionierung
- Verschattung, Neigung und Material des Dachs Dachausrichtung
- Sanierungs-fähigen Fachbetrieb finden Fachbetrieb-Finder
- Erste Schätzung selbst machen PV-Rechner
Häufige Fragen
Hält das Dach eine PV-Anlage aus?
Module wiegen rund 18-25 kg pro m², Unterkonstruktion 3-8 kg pro m². Auf gesunden Sparrendächern aus den letzten 60 Jahren ist das in der Regel kein Problem. Bei Dächern vor 1960, sichtbaren Holzschäden oder ungewöhnlich knappen Sparrenquerschnitten sollte ein Statiker eine Tragreserve-Berechnung machen. Kosten: 200-500 Euro.
Lohnt sich PV vor einer Dachsanierung?
Selten. Wer in den nächsten 5-10 Jahren das Dach neu eindecken will, sollte beides in einem Aufwasch erledigen. Sonst muss die PV-Anlage für die Sanierung wieder herunter und kommt mit eigenem Aufwand wieder hoch. Bei Sanierung sofort sinnvoll: Indach-Module, die wie Dachpfannen verbaut werden und die Dachhaut ersetzen.
Was ist mit Denkmalschutz?
Seit 2023 ist PV auf denkmalgeschützten Häusern grundsätzlich erlaubt, der Denkmalschutz darf die Genehmigung nur verweigern, wenn überwiegende öffentliche Belange entgegenstehen. In der Praxis verlangt die Behörde meist eine bestimmte Optik: matte Module, einheitliche Belegung, oft Süd- statt Straßenseite. Vorabstimmung mit der unteren Denkmalschutzbehörde ist Pflicht.
Reicht der Hausanschluss?
Bei Häusern vor 1980 stehen noch oft 3 mal 25 A oder kleiner. Eine 8-kWp-Anlage braucht ohne Wallbox keinen größeren Anschluss, mit Wallbox und Wärmepumpe wird es eng. Beim Netzbetreiber kann der Anschluss auf 3 mal 35 A oder 3 mal 50 A erweitert werden. Kosten: 0-3.000 Euro je nach Aufwand und Netzbetreiber-Regelung.
Lohnt sich PV im Altbau wirtschaftlich?
Grundsätzlich ja, oft sogar besser als im Neubau, weil Altbauten höhere Verbrauchswerte haben. Allerdings kommen Statik-, Elektrik- oder Sanierungs-Mehrkosten dazu, die vorher klar werden müssen. Eine ehrliche Auslegung mit allen Vorarbeiten rechnet sich meist in 12-16 Jahren, im Neubau eher in 11-13 Jahren.