Hausbesitzer·Ratgeber
Architekt skizziert eine PV-Anlage auf einem Dachriss, ruhige Schreibtisch-Szene mit Plänen und Maßband.

Praxis

PV-Planung: Anlage richtig dimensionieren, Schritt für Schritt

Eine zu kleine Anlage lässt Förderung und Eigenverbrauch liegen, eine zu große sitzt auf nicht abnehmbarem Strom. Wir zeigen, wie du in fünf Schritten zur passenden kWp-Größe kommst, bevor du Angebote anfragst.

Von Matthias Broich 8 min Lesezeit

TL;DR

Die richtige PV-Größe ergibt sich aus drei Zahlen: Jahresverbrauch, nutzbare Dachfläche und geplante neue Großverbraucher (Wärmepumpe, E-Auto). Wer die Anlage 20 bis 30 Prozent über dem aktuellen Verbrauch dimensioniert, hat Reserve für Lastverschiebung und Speicher, ohne unwirtschaftlich zu werden. Vor Vertragsunterschrift mindestens zwei Angebote vergleichen und den KfW-270-Antrag stellen, später geht das nicht mehr.

Schritt 1: Verbrauch ehrlich erfassen

Basis jeder Dimensionierung ist der reale Stromverbrauch. Lies die letzten drei Jahresabrechnungen aus, nicht nur die letzte. Ein Trockenjahr oder ein Babyjahr verzerrt sonst die Planung.

Haushaltsgröße Ohne WP & E-Auto Mit Wärmepumpe Mit WP & E-Auto
1 Person 1.500-2.000 kWh 4.500-6.000 kWh 6.500-8.500 kWh
2 Personen 2.500-3.500 kWh 5.500-7.500 kWh 7.500-10.000 kWh
4 Personen 4.000-5.500 kWh 7.000-9.500 kWh 10.000-13.000 kWh
6 Personen 5.500-7.500 kWh 9.000-12.000 kWh 13.000-16.000 kWh

Plane konkret geplante Anschaffungen mit ein. Eine Wärmepumpe, die erst 2027 kommt, gehört trotzdem heute in die Dimensionierung, sonst ist die Anlage in zwei Jahren zu klein.

Schritt 2: Dachfläche und Ausrichtung prüfen

Auf 1 kWp Anlagenleistung kommen bei modernen Modulen rund 5 bis 6 m² nutzbare Dachfläche. Eine 10-kWp-Anlage braucht also 50 bis 60 m² zusammenhängende Modulfläche. Vorher ausschließen: Dachfenster, Schornstein, Gauben, Lüftungsrohre und Verschattungs-Quellen wie Bäume oder Nachbargebäude.

Optimal sind Süddächer mit 30 bis 35 Grad Neigung. Ost-West-Anlagen liegen heute aber gleichauf bei der Wirtschaftlichkeit, weil sie den Eigenverbrauch über den Tag verteilen. Detail zu Neigung, Himmelsrichtung und Verschattung im Dachausrichtungs-Ratgeber.

Schritt 3: kWp-Zielgröße bestimmen

Jetzt rechnen wir. Faustregel:

  • 1 kWp pro 1.000 kWh aktueller Jahresverbrauch (deckt etwa Eigenverbrauchsanteil 25 bis 35 Prozent ab)
  • + 2 kWp pro Wärmepumpe (3.000 bis 6.000 kWh Mehrverbrauch)
  • + 2 kWp pro E-Auto bei 10.000 bis 15.000 km Jahresfahrleistung
  • + 1 kWp Reserve, wenn Speicher geplant ist

Beispiel: Vier-Personen-Haushalt mit 4.500 kWh, Wärmepumpe bereits vorhanden, ein E-Auto, 10-kWh-Speicher geplant. Rechnung: 4,5 + 2 (WP) + 2 (E-Auto) + 1 (Speicher-Reserve) = 9,5 kWp Zielgröße.

Liegt die nutzbare Dachfläche darunter, wird daraus die Obergrenze. Liegt sie darüber, lohnt sich der Zubau pro kWp fast immer, weil die Fixkosten (Gerüst, Anmeldung, Wechselrichter) ohnehin anfallen.

Schritt 4: Speicher- und Wallbox-Frage entscheiden

Speicher und Wallbox sind keine Pflicht, sie verändern aber den Eigenverbrauchsanteil und damit die Wirtschaftlichkeit deutlich.

Konfiguration Eigenverbrauchsanteil Mehrkosten Mehrertrag pro Jahr
nur PV 25-35 % - Basis
PV + Speicher 55-70 % + 5.000-9.000 € + 600-900 €
PV + Speicher + Wallbox 65-80 % + 6.500-12.000 € + 900-1.300 €
Komplettes EMS-Setup 75-90 % + 7.500-14.000 € + 1.100-1.600 €

Wer plant, beides später nachzurüsten, sollte den Wechselrichter von Anfang an als Hybrid-Wechselrichter wählen. Sonst wird das Setup bei Speicher-Nachrüstung schnell teuer.

Schritt 5: Angebote sauber vergleichen

Hol dir mindestens zwei, besser drei Angebote. Achte dabei nicht nur auf den Endpreis, sondern auf identische Vergleichs-Basis:

  • Modul-Hersteller und -Leistung (Wp pro Modul, Garantie-Laufzeit, Effizienzgrad)
  • Wechselrichter-Marke und Hybrid-Fähigkeit
  • Speicher-Kapazität in nutzbaren kWh, nicht nominale Bruttokapazität
  • Montage und Anmeldung enthalten? oder als Extra
  • Garantie-Versprechen (Modul- vs. Leistungs- vs. Anlagen-Garantie)
  • Service-Pauschalen für die ersten Jahre

Sehr günstige Angebote schneiden oft beim Wechselrichter, der Modul-Marke oder dem Garantie-Umfang. Detail dazu im Anbieter-Vergleich.

Häufige Stolperfallen

  • KfW-270-Antrag erst nach Vertrag: dann ist die Förderung verloren. Antrag immer vor Werkvertrag.
  • Statik nicht prüfen lassen: auf älteren Dächern (vor 1990) kann das Modulgewicht problematisch sein.
  • Wechselrichter-Standort vergessen: braucht Lüftung, Schatten, kurze Kabelwege zur Anlage. Hauswirtschaftsraum oder Keller.
  • Anmeldung beim Marktstammdatenregister versäumt: ist Pflicht innerhalb von 4 Wochen nach Inbetriebnahme, sonst droht Kürzung der Einspeisevergütung.
  • Versicherung nicht angepasst: die Anlage muss in die Wohngebäudeversicherung aufgenommen werden, sonst kein Schutz bei Hagel oder Sturm. Detail im Wartungs-Ratgeber.

Wie geht es weiter?

Häufige Fragen

Wie viel kWp brauche ich?

Faustregel: 1 kWp pro 1.000 kWh Jahresverbrauch, plus 2 kWp pro Wärmepumpe und 2 kWp pro E-Auto, sofern die Dachfläche es hergibt. Ein typischer Vier-Personen-Haushalt mit 4.000 kWh landet damit bei 6 bis 8 kWp, mit Wärmepumpe und einem E-Auto bei 10 bis 12 kWp.

Lieber zu groß oder zu klein planen?

Eher etwas zu groß. Nicht eingespeister Überschuss bringt zwar nur 8 ct/kWh, kostet beim Bau aber kaum Aufpreis pro kWp. Eine Nachrüstung ist deutlich teurer als beim Erstbau zwei Module mehr zu setzen, weil Gerüst, Anmeldung und Wechselrichter-Dimensionierung schon stehen.

Brauche ich vor der Planung einen Energieberater?

Für eine reine PV-Anlage in der Regel nein, der Fachbetrieb plant die Dimensionierung im Angebot mit. Sinnvoll wird eine Beratung, wenn parallel Wärmepumpe, Sanierung oder eine Förderung über die BEG-Programme im Spiel sind. Eine BAFA-geförderte Energieberatung kostet 0 bis 700 Euro nach Zuschuss.

Wann lohnt sich ein Stromspeicher?

Sobald der Eigenverbrauchs-Hebel über die Anlagenlaufzeit mehr Geld zurückbringt als der Speicher kostet. Bei 36 ct/kWh Strompreis und 8 ct/kWh Einspeisevergütung amortisiert sich ein 5- bis 8-kWh-Speicher heute meist in 13 bis 17 Jahren. Detail im Speicher-Ratgeber.

Wie lange dauert die Planungsphase realistisch?

Vom ersten Beratungsgespräch bis zum unterschriebenen Vertrag: zwei bis sechs Wochen. Wer Angebote sauber vergleichen will, sollte zwei bis drei Anbieter parallel anfragen. Die eigentliche Installation passiert dann meist innerhalb von zwei bis fünf Monaten, je nach Saison und Auslastung der Fachbetriebe.