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Wirtschaftlichkeit

PV-Amortisation: wann hat sich die Anlage zurückgezahlt?

Die Amortisationszeit hängt an drei Stellschrauben: Investition, Eigenverbrauch und Strompreis-Pfad. Wir rechnen für ein typisches Einfamilienhaus durch und zeigen, wie sensitiv die Zahl wirklich ist.

Von Matthias Broich 8 min Lesezeit

TL;DR

Für eine 8-kWp-Anlage am Einfamilienhaus mit 30 % Eigenverbrauch liegt die Amortisationszeit bei 10-13 Jahren. Mit E-Auto oder Wärmepumpe (höherer Eigenverbrauch) sinkt sie auf 7-9 Jahre. Über 25 Jahre Laufzeit ergibt sich eine effektive Rendite von rund 5-7 % p. a., vergleichbar mit langfristigen Aktien-Indizes, aber mit niedrigerem Schwankungsrisiko.

Amortisation oder Rendite: was rechnet man eigentlich?

In PV-Diskussionen werden zwei Kennzahlen oft vermischt: Amortisationszeit beantwortet die Frage „nach wie vielen Jahren ist die Investition zurückgeflossen?", Rendite die Frage „wie viel Prozent pro Jahr bringt die Anlage über ihre Lebenszeit, vergleichbar mit anderen Anlageformen?".

Die Amortisation ist intuitiv, ignoriert aber die Erträge nach dem Break-Even. Die Rendite (interner Zinsfuß, IRR) berücksichtigt die gesamte Laufzeit und macht die Anlage vergleichbar mit Aktien, Anleihen oder ETF-Sparplänen, meist mit überraschend günstigem Ergebnis für die PV.

Beispielrechnung: Einfamilienhaus, 8 kWp, ohne Speicher

Annahmen für die Basis-Rechnung:

  • Anlagengröße: 8 kWp, Süddach, 30 ° Neigung
  • Investition schlüsselfertig: 14.500 €
  • Jahresertrag: ~ 8.000 kWh
  • Jahresverbrauch Haushalt: 4.200 kWh
  • Eigenverbrauchs-Anteil: 30 % (~ 2.400 kWh)
  • Strompreis Jahr 1: 36 ct/kWh, Steigerung 2 % p. a.
  • Einspeisevergütung: 8,03 ct/kWh, garantiert für 20 Jahre
  • Wechselrichter-Tausch im Jahr 13: 2.000 €
Posten Jahr 1 Jahr 10 Jahr 20
Eigenverbrauchs-Ersparnis ~ 870 € ~ 1.040 € ~ 1.270 €
Einspeise-Erlös ~ 450 € ~ 450 € ~ 450 €
Gesamt­ertrag pro Jahr ~ 1.320 € ~ 1.490 € ~ 1.720 €

Kumuliert ist die Investition zwischen Jahr 11 und Jahr 12 zurückgeflossen, mit Berücksichtigung des Wechselrichter-Tauschs knapp ein Jahr später.

Was die Amortisation in beide Richtungen verschiebt

Eigenverbrauchs-Anteil

Der größte Hebel. Selbstverbrauchter Strom ersetzt teuren Netzstrom (36 ct), eingespeister bringt nur 8 ct. Jeder Prozentpunkt mehr Eigenverbrauch verkürzt die Amortisation messbar.

Strompreis-Pfad

2 % p. a. ist konservativ, historisch lagen wir eher bei 4-5 % p. a. Höhere Strompreis-Steigerungen beschleunigen die Amortisation überproportional, weil sie auf den größeren Eigenverbrauchs-Anteil wirken.

Förderung

Die 0-%-MwSt-Befreiung wirkt direkt auf die Investitionssumme, und damit unmittelbar auf die Amortisationszeit. Die KfW-Finanzierung verlängert die Amortisation nominal um die Zinslast, verbessert aber durch geringeren Eigenkapital-Einsatz die Rendite. Detail im Förder-Ratgeber.

Sektorenkopplung: E-Auto und Wärmepumpe

Beide erhöhen den Eigenverbrauchs-Anteil deutlich, ein E-Auto um typische 1.500-3.000 kWh tagsüber ladbar, eine Wärmepumpe je nach Steuerung um 500-1.500 kWh anteilig. Wer beides plant, kann die Anlage von Anfang an größer dimensionieren und reduziert die Amortisationszeit auf 7-9 Jahre.

Renditebetrachtung über 25 Jahre

Die Anlage läuft typisch 25-30 Jahre. Über 25 Jahre Laufzeit liegt der interne Zinsfuß einer durchschnittlichen Einfamilienhaus-Anlage bei 5-7 % p. a., abhängig von Eigenverbrauchs-Anteil und Strompreis-Trend. Damit liegt die PV-Rendite im langjährigen Mittel etwa auf dem Niveau breiter Aktien-Indizes, aber mit deutlich niedrigerem Schwankungsrisiko, weil sowohl Einspeisevergütung als auch Stromverbrauch über 20 Jahre planbar sind.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Amortisation und Rendite?

Amortisationszeit = Wann ist die Investition zurückgeflossen? Rendite = Wie viel Prozent jährlich bringt die Anlage über ihre Lebenszeit? Die Amortisation ist intuitiv, vergleicht aber nicht über die Laufzeit. Die Rendite (interner Zinsfuß) macht die Anlage mit anderen Investments vergleichbar.

Welche Strompreis-Steigerung ist realistisch?

Wir rechnen konservativ mit 2 % p. a. Die letzten 20 Jahre lagen real bei 4-5 % p. a., höhere Steigerungen würden die Amortisation deutlich beschleunigen. Wer auf der sicheren Seite plant, nimmt 2 %; wer den Trend ins Modell packt, kalkuliert mit 3-4 %.

Wie wichtig ist der Speicher für die Amortisation?

Der Speicher hebt den Eigenverbrauch von ~30 % auf 60-80 %, kostet aber 4.000-9.000 € extra. Rechnerisch verlängert er die Gesamt-Amortisation aktuell oft um 1-3 Jahre, er rechnet sich vor allem dann, wenn auch eine Wärmepumpe oder ein E-Auto dazukommen.

Was, wenn ich die Anlage über die KfW finanziere?

Bei Zinsen unter dem inflationären Strompreis-Trend (typisch 1-2 Prozentpunkte unter Hypotheken-Zins) verbessert die Finanzierung die effektive Rendite leicht, du investierst weniger Eigenkapital und der Cashflow trägt die Tilgung. Die kalkulatorische Amortisation verlängert sich nominal um die Zinslast.

Was ist mit dem Wechselrichter-Tausch?

Wechselrichter haben typisch 12-15 Jahre Lebensdauer. Ein Tausch kostet 1.500-2.500 € und sollte in der Wirtschaftlichkeitsrechnung als Re-Investment im Jahr 12-15 berücksichtigt werden. Module dagegen halten 25-30 Jahre.