In der Anschaffung ist Gas konkurrenzlos günstig, das ist unstrittig. Die Frage ist, was über 20 Jahre daraus wird, wenn Förderung, CO2-Preis und Bio-Treppe eingerechnet sind. Wir rechnen beide Seiten durch, ohne Lagerdenken.
Anschaffung: 9.000 bis 16.000 Euro schlüsselfertig, ohne Förderung. Betrieb: rund 2.300 bis 2.800 Euro pro Jahr für ein Einfamilienhaus mit 18.000 kWh Wärmebedarf, inklusive Wartung. Über 20 Jahre kostet die Gasheizung trotz der um rund 7.000 Euro günstigeren effektiven Anschaffung etwa 17.000 Euro mehr als die geförderte Wärmepumpe, weil Betriebskosten, CO2-Preis und ab 2029 die Bio-Treppe den Vorsprung mehr als aufzehren. Klar im Vorteil bleibt sie beim Notfall-Tausch, bei sehr schlechter Hülle und bei kurzer Restnutzungsdauer.
Anschaffung: was auf der Rechnung steht
| Posten | Spanne |
|---|---|
| Gas-Brennwert-Gerät (15 bis 20 kW) | 2.500 - 4.500 € |
| Warmwasser-Speicher 150 bis 200 Liter | 800 - 1.800 € |
| Montage, Hydraulik, Inbetriebnahme | 2.500 - 4.500 € |
| Abgasführung, Schornstein-Liner | 800 - 2.500 € |
| Demontage und Entsorgung Altanlage | 500 - 1.200 € |
| Hydraulischer Abgleich | 500 - 1.000 € |
| Summe schlüsselfertig | 9.000 - 16.000 € |
Stand August 2026, Bandbreiten für ein Einfamilienhaus. Keine Förderung, weil die KfW-Heizungsförderung mindestens 65 Prozent erneuerbare Energie voraussetzt.
Das untere Ende der Spanne gilt für den einfachen Fall: bestehende Gasleitung, funktionierender Schornstein mit passendem Querschnitt, Gerät hängt am selben Platz wie vorher. Nach oben treiben vor allem drei Dinge: eine Abgasführung, die für Brennwert nachgerüstet werden muss, ein Wechsel des Aufstellorts und eine Anlage, die gleichzeitig auf einen anderen Warmwasser-Komfort umgestellt wird.
Der ehrliche Vergleich mit der Wärmepumpe
Der Vergleich wird oft unfair geführt, in beide Richtungen. Wer die Bruttopreise gegenüberstellt, lässt die Förderung weg. Wer nur die Betriebskosten vergleicht, ignoriert die Investition. Hier beides:
| Posten | Gas-Brennwert | Luft-Wasser-Wärmepumpe |
|---|---|---|
| Investition brutto | 12.000 € | 32.000 € |
| Förderung | 0 € | - 12.880 € (46 %) |
| Effektive Investition | 12.000 € | 19.120 € |
| Energiekosten pro Jahr | ~ 2.300 € | ~ 1.350 € |
| Wartung pro Jahr | ~ 250 € | ~ 200 € |
| Summe Betrieb über 20 Jahre | ~ 60.400 € | ~ 36.200 € |
| Gesamt über 20 Jahre | ~ 72.400 € | ~ 55.300 € |
Annahmen: 18.000 kWh Wärmebedarf, Gas 12 ct/kWh, Strom 28 ct/kWh im Wärmepumpen-Tarif, JAZ 3,8, jeweils 2 Prozent jährliche Energiepreis-Steigerung. Förderung nach KfW 458 in der Fassung vom 21. Juli 2026 (30 Prozent Grundförderung plus 16 Prozent Klimageschwindigkeits-Bonus auf 28.000 Euro förderfähige Kosten). Bio-Treppen-Aufschlag ab 2029 nicht eingerechnet, er würde die Gas-Seite zusätzlich belasten.
Der Abstand von rund 17.000 Euro über 20 Jahre ist deutlich, aber er hängt an drei Annahmen: der Jahresarbeitszahl der Wärmepumpe, dem Verhältnis von Gas- zu Strompreis und der Förderquote. Alle drei können in die andere Richtung kippen.
Wann die Rechnung zugunsten von Gas kippt
- Niedrige Jahresarbeitszahl: Bei einer JAZ von 2,8 statt 3,8 steigen die Strom-Kosten der Wärmepumpe auf rund 1.800 Euro pro Jahr. Der Abstand schrumpft auf gut 5.500 Euro über 20 Jahre. Bei JAZ 2,5 und unsanierter Hülle dreht sich das Ergebnis. Was die JAZ bestimmt, steht im Effizienz-Vergleich.
- Kein Klimageschwindigkeits-Bonus: Vermieter und Eigentümer ohne funktionsfähige fossile Altheizung bekommen nur die 30 Prozent Grundförderung. Die effektive Wärmepumpen-Investition steigt dann auf rund 23.600 Euro.
- Kurze Restnutzungsdauer: Wer in fünf bis acht Jahren verkauft oder abreißt, sieht die Betriebskosten-Vorteile nie. Dann zählt fast nur die Anschaffung, und da gewinnt Gas klar.
- Hoher Umbau-Aufwand: Wenn für die Wärmepumpe Heizkörper getauscht, Fußbodenheizung nachgerüstet oder ein Stromanschluss verstärkt werden muss, kommen schnell 5.000 bis 15.000 Euro dazu, die in der Tabelle oben nicht stehen.
Laufende Kosten im Detail
| Posten | Pro Jahr |
|---|---|
| Gasbezug (19.000 kWh bei 12 ct/kWh) | ~ 2.280 € |
| davon CO2-Komponente (~ 3,8 t bei 55 bis 65 €/t) | ~ 210 - 245 € |
| Wartung durch Fachbetrieb | 150 - 250 € |
| Schornsteinfeger und Abgasmessung | 50 - 90 € |
| Hilfsstrom (Pumpe, Regelung) | ~ 40 € |
| Summe | ~ 2.500 - 2.700 € |
Der Gasbezug liegt über dem Wärmebedarf, weil auch ein Brennwert-Kessel Verluste hat. Bei 18.000 kWh Bedarf und rund 95 Prozent Nutzungsgrad ergeben sich etwa 19.000 kWh Bezug.
Zwei Posten, die in Angeboten oft fehlen
- Der Bio-Treppen-Aufschlag ab 2029. Zehn Prozent klimafreundlicher Anteil bedeuten je nach Marktlage grob 10 bis 20 Prozent Aufschlag auf den Arbeitspreis, ab 2035 bei 30 Prozent Anteil deutlich mehr. Über die Restlaufzeit einer 2026 eingebauten Therme summiert sich das auf einen vierstelligen Betrag. Details im Bio-Treppen-Ratgeber.
- Der ETS-2-Effekt ab 2027. Der europäische Emissionshandel für Gebäude und Verkehr startet 2027. Der bisherige nationale Korridor von 55 bis 65 Euro pro Tonne gilt dann nicht mehr, der Preis bildet sich am Markt. Prognosen liegen weit auseinander, die Richtung ist aber eindeutig.
Wann die Gasheizung die richtige Entscheidung ist
| Situation | Empfehlung |
|---|---|
| Kessel im Januar ausgefallen, keine Planungszeit | Gas-Brennwert als schnelle Lösung, Wärmepumpe später prüfen |
| Unsanierte Hülle, Vorlauftemperatur über 65 Grad, keine Sanierung geplant | Gas-Brennwert oder Hybrid, reine Wärmepumpe wäre unwirtschaftlich |
| Verkauf oder Abriss in unter 8 Jahren | Gas-Brennwert, die Betriebskosten-Vorteile greifen nicht mehr |
| Saniert oder Sanierung geplant, Bleibe-Absicht über 10 Jahre | Wärmepumpe, die Förderung dreht die Rechnung |
| Quartier mit Fernwärme-Vorrang im Wärmeplan | Anschluss prüfen, bevor eine eigene Anlage gekauft wird |
| Gasnetz zur Stilllegung angemeldet | Keine neue Gas-Therme, Netzbetreiber-Auskunft einholen |
Wie geht es weiter?
- Die Bio-Treppe ab 2029, was die Beimischungs-Pflicht kostet
- Gasheizung Hub-Übersicht, alle Themen auf einen Blick
- Wärmepumpen-Kosten 2026, die Gegenrechnung im Detail
- Fernwärme im Eigenheim, die dritte Option im Quartier
- Wärmedämmung im Bestand, weil die Hülle über beide Optionen entscheidet
Häufige Fragen
Was kostet eine neue Gasheizung schlüsselfertig?
Für ein Einfamilienhaus rund 9.000 bis 16.000 Euro inklusive Gerät, Warmwasser-Speicher, Montage, Anpassung der Abgasführung und Inbetriebnahme. Die Spanne hängt vor allem daran, ob eine bestehende Anlage 1:1 ersetzt wird (unteres Ende) oder ob Abgasrohr, Gasleitung und Hydraulik angefasst werden müssen (oberes Ende). Ohne Förderung, weil es für reine Gasheizungen keine gibt.
Warum ist die Wärmepumpe trotz höherem Preis oft günstiger?
Wegen der Förderung. Eine Wärmepumpe für 32.000 Euro bekommt mit Grundförderung und Klimageschwindigkeits-Bonus 46 Prozent von 28.000 Euro erstattet, also 12.880 Euro. Die effektive Investition sinkt damit auf rund 19.100 Euro. Die Gasheizung für 12.000 Euro bekommt null. Der Abstand in der Anschaffung schrumpft von 20.000 auf gut 7.000 Euro, und den holen die niedrigeren Betriebskosten über die Laufzeit meist ein.
Wie hoch sind die laufenden Kosten?
Für ein Einfamilienhaus mit 18.000 kWh Wärmebedarf und einem Gas-Brennwert-Kessel mit rund 95 Prozent Nutzungsgrad ergeben sich etwa 19.000 kWh Gasbezug. Bei 11 bis 13 ct/kWh inklusive CO2-Komponente sind das 2.100 bis 2.500 Euro pro Jahr, plus 200 bis 300 Euro für Wartung und Schornsteinfeger. Der CO2-Anteil steigt absehbar, ab 2029 kommt der Aufschlag durch die Bio-Treppe dazu.
Lohnt sich ein Kessel-Tausch nur wegen der Effizienz?
Wenn der alte Kessel ein Konstanttemperatur- oder Niedertemperatur-Gerät ist: ja, ein Brennwert-Gerät holt 10 bis 15 Prozent heraus. Wenn bereits ein Brennwert-Kessel läuft und dieser noch funktioniert: nein, der Effizienz-Gewinn eines neuen Geräts liegt dann im niedrigen einstelligen Bereich und amortisiert sich nicht.
Was kostet der CO2-Preis konkret?
Bei 19.000 kWh Gasbezug fallen rund 3,8 Tonnen CO2 an. Im Preiskorridor 2026 von 55 bis 65 Euro pro Tonne sind das 210 bis 245 Euro pro Jahr, die bereits im Gaspreis enthalten sind. Ab 2027 greift der europäische Emissionshandel ETS-2, bei dem Prognosen von deutlich höheren Preisen ausgehen. Eine Verdopplung würde die jährlichen Heizkosten um weitere gut 200 Euro erhöhen.
Wie sollte ich rechnen, wenn ich unsicher bin?
Mit Bandbreiten statt Punktwerten. Rechne die Gasheizung einmal mit konstantem Gaspreis und einmal mit 4 Prozent jährlicher Steigerung durch. Liegt die Gasheizung in beiden Fällen vorn, ist die Entscheidung robust. Kippt sie im zweiten Fall, hängt sie an einer Annahme über 20 Jahre Energiepolitik, und das ist eine wacklige Grundlage für eine fünfstellige Investition.